Baustein 10
Schwierigkeiten und Lösungsansätze
Fehler gehören zum Lernen – entscheidend ist, wie wir mit ihnen umgehen. Eine positive Fehlerkultur hilft Kindern, ihre Denkwege zu verstehen, Regeln sicherer anzuwenden und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Gerade bei Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben bietet die Silbenmethode eine wirksame Unterstützung: Sie macht Sprachstrukturen sichtbar, stärkt wichtige Grundlagen und kann sowohl vorbeugend als auch gezielt fördernd eingesetzt werden.

Fehler als Lernchance
Fehler sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Lernprozesses. Sie zeigen, an welcher Stelle ein Kind gerade steht und machen sichtbar, welche Strukturen es bereits verstanden hat und wo es noch unsicher ist. Entscheidend ist nicht das Vermeiden von Fehlern, sondern der bewusste Umgang mit ihnen: Fehler werden nicht ausradiert, sondern durchgestrichen, und die richtige Form wird daneben notiert. Auf diese Weise bleiben Denkwege nachvollziehbar und dienen als Grundlage für das nächste Lernen. Eine positive Fehlerkultur stärkt zudem die
Motivation. Kinder erfahren, dass Fehler keine Defizite darstellen, sondern Lernchancen. Wer erkennt, warum etwas falsch ist, kann die Regel dahinter besser verstehen – und wendet sie anschließend sicherer an.
LRS – was bedeutet das eigentlich?
Unter einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) versteht man eine ausgeprägte und anhaltende Schwierigkeit beim Erlernen von Lesen und / oder Schreiben. Häufig zeigen sich diese Probleme in stockendem Lesen, beim Verwechseln von Buchstaben oder in auffälligen Rechtschreibfehlern.
Wichtig ist jedoch: LRS ist kein unvermeidbares Schicksal. Viele Schwierigkeiten beruhen auf fehlenden Vorläuferkompetenzen – es fehlen beispielsweise eine sichere Seitigkeit, die sichere Koordination von Sprache und Bewegung oder eine ausgeprägte phonologische Bewusstheit (vgl. Baustein 2). Defizite in diesen Bereichen wirken sich unmittelbar auf das Lesen und Schreiben aus: Verwechslungen wie b / d oder ie / ei
sind beispielsweise typische Anzeichen.
Die Silbenmethode als wirksames Instrument zur Vorbeugung von LRS
Förderung im Schriftspracherwerb setzt bereits bei den Grundlagen an, die für erfolgreiches Lesen und Schreiben notwendig sind. Dazu gehören eine sichere Seitigkeit, eine altersgemäße Motorik sowie die Fähigkeit, Sprache mit Bewegung und Rhythmus zu koordinieren. Werden diese Fertigkeiten rechtzeitig eingeübt – sei es durch Silbenklatschen, rhythmisches Sprechen, Ball- und Bewegungsspiele oder durch Übungen mit Silbenmaterialien –, lassen sich spätere Schwierigkeiten vermeiden.
Die Silbenmethode stellt hierfür ein besonders wirksames Instrument dar.
- • Prävention: Schon von Anfang an wird die Silbenstruktur sichtbar gemacht. Kinder verinnerlichen grundlegende Leseregeln und übertragen sie später ins Schreiben. So entstehen gar nicht erst Fehlstrategien, die mühsam korrigiert werden müssen.
- • Förderung: Wenn bereits Unsicherheiten bestehen, greifen dieselben Prinzipien. Mit Übungen wie Silbenklatschen, zweifarbigem Schreiben oder der Arbeit mit den Silbenhäusern werden Fehlerquellen gezielt bearbeitet. Schritt für Schritt lernen die Kinder, Silben bewusst wahrzunehmen, zu verschriften und die Rechtschreibregeln abzuleiten.
So zeigt sich: Mit der passenden Methode müssen weder dauerhafte Schwierigkeiten noch eine LRS-Diagnose das Ende des Lernwegs bedeuten. Vielmehr können Kinder durch systematische Förderung Sicherheit im Lesen und Schreiben gewinnen und erleben, dass sie Sprache erfolgreich meistern können.
Schwierigkeiten beim Lesen – Lösungsansätze mit der Silbenmethode
15 Problemfälle
„La-lamp-lampe“
Wörter ohne Silbentrenner müssen mühsam „durchprobiert“ werden – es entsteht kein Lesefluss.
Silbentrenner: Kinder lesen Wörter sofort in der richtigen Silbierung, erfassen schneller den Sinn und lesen flüssiger.
„M-a-m-a“
Laute werden mühsam aneinandergereiht („Laut-an-Laut-Ziehen“).
Silben als Ganzheit: Silben werden als Ganzheiten gelernt, nicht einzelne Laute.
„nane“ statt „Banane“
Beim Zusammenschieben der einzelnen Buchstaben gehen erste Laute verloren („nane“ statt „Banane“).
Silben als rhythmische Einheiten: Durchführen von Rhythmusübungen und Markierung des Startpunkts durch farbige Silben.
„Die … Kat … Katze … läuft … zum …“
Kinder bleiben im Buchstabieren stecken, Lesefluss stockt.
Automatisierung der Silben: Flüssiges Springen von Silbe zu Silbe.
„Der Hund … läuft … schnell … in den … Park.“
Betonung und Sprachmelodie fehlen, die Stimme „stolpert“ durch den Satz.
Rhythmusübungen: Silbensprechen und farbige Silbenmarkierungen machen die Sprachmelodie hör- und sichtbar.
bin → din
mit → tim
Verwechslung von b–d, p–q, E–3 und Unsicherheit in der Leserichtung.
Farbigkeit, Silbenbögen und Motorik: Farbige Silben und Silbenbögen mit Pfeilen werden mit motorischen Übungen (Finger mitführen) ergänzt zur Stabilisierung der Leserichtung. Gebärden: Die Gebärden unterstützen ebenfalls.
„Was hast du gerade gelesen?“
„Ich weiß es nicht“
Kinder entschlüsseln Buchstaben, erfassen aber nicht die Bedeutung.
Automatisierung von Silben: Durch silbenmethodische Übungen werden Silben automatisiert, wodurch Kapazität für das Leseverständnis frei wird.
„mu“ vs. „nu“
Konsonanten können nicht eindeutig unterschieden werden.
Gebärden: Unterschiede sichtbar und fühlbar machen (Beispiel: Lippenverschluss bei „m“).
„Mm-a-mm-a“ statt „Ma-ma“
Konsonanten werden nicht verschliffen, Silben nicht erkannt.
Gebärden: Starter mit Klinger kombinieren (Beispiel: statt „m“ → „mu“) und Silben als Ganzheit sprechen
Kind hört „mu“, weiß aber nicht, welche Buchstaben es schreiben soll.
Kind hört eine Silbe bzw. ein Wort, weiß aber nicht, welche Buchstaben es verschriften soll.
Gebärden + Silbenstrategie: Die Automatisierung von Silben in Kombination mit den Gebärden hilft, Gehörtes mit Schriftzeichen zu verbinden.
„deeeeeel“
Klinger wird in einer geschlossenen Silbe zu lang gesprochen.
Silbenschieber + Gebärden: Es wird die dazu passende offene Silbe mit dem Silbenschieber gelesen. Dann wird der Stopper hinzugefügt und parallel gebärdet, um den Kontrast der Länge des Klingers zu verdeutlichen; Eselsbrücke: „Starter – Klinger – Stopper = kurz“.
„de-l“
Der Stopper wird isoliert.
Silbenschieber + Gebärden: Es wird die dazu passende offene Silbe mit dem Silbenschieber gelesen. Dann wird der Stopper hinzugefügt und parallel gebärdet, um zu verdeutlichen:
Lass beide gemeinsam raus.
Salami → „la“ wird vom Kind nicht erkannt
Schwierigkeiten, einzelne Silben im Wort zu erkennen.
Silbenwurf: Ball wird im Rhythmus geworfen, jede Silbe wird gesprochen.
Lesefluss wird gestört.
Manche Kinder bleiben beim Lesen an „Stolperwörtern“ hängen. Dazu zählen lange Zusammensetzungen, Konsonantenhäufungen, Graphemverbindungen wie ei oder ie oder späte Graphemkombinationen wie ck, sp, st, pf. Auch unbekannte Wortbedeutungen können den Lesefluss hemmen.
Lies mit Memo: Übungsseiten, die kleine, überschaubare Trainingseinheiten bieten und bei der Automatisierung von „Stolperwörtern“ unterstützen.
Häufig gelingt es nicht, unbekannte Wörter aus dem Kontext abzuleiten.
Kinder mit Schwierigkeiten im Leseverständnis können Strategien nicht sofort nutzen wie geübte Lesekinder. Sie bleiben bei den expliziten Informationen stehen und ziehen keine Schlüsse.
Lesestrategien und stufenweises Vorgehen: Zunächst werden einfache Strategien (z. B. Bilder betrachten, Vermutungen äußern) modelliert, später schrittweise komplexere Strategien eingeübt.
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